Herr Zbyněk Husák, spricht über die seiner Ansicht nach größte Herausforderung für Einzelhändler

Updated: Nov 11



Was ist Ihrer Meinung nach die größte Veränderung im Bereich der Nachhaltigkeit des Einzelhandelsvertriebs in den letzten Jahren?


Ich denke, es ist die Einstellung. Wir sehen zunehmende Anforderungen von Verbrauchern und Käufern an die Offenheit und Ehrlichkeit aller Unternehmen. Natürlich nehmen Einzelhändler und Marken diesen Umstand intensiver wahr, weil ihre Sachen, die man berühren und fühlen kann, mehr in der Öffentlichkeit stehen. Wenn Sie sich in einem Geschäft von Ihrem Geld verabschieden möchten, wollen Sie wissen, wofür Sie es ausgeben. Und das ist gut so. Jetzt ist es schwieriger, nur einen Mund voller Versprechen zu haben – man muss für eine Sache wirklich brennen, ansonsten entscheidet der Käufer mit seinem Geldbeutel.


Schauen Sie sich die Zusammenarbeit zwischen Loop und Tesco an: https://www.tesco.com/groceries/en-GB/zone/loop – ok, es handelt sich bisher um 150 Testgeschäfte, aber auch das wäre vor ein paar Jahren im Bereich Masseneinzelhandel unvorstellbar.


Inwiefern unterscheidet sich der Nachhaltigkeitsansatz in Eden vom Ansatz anderer Unternehmen?


Ich glaube, dass unser Ansatz viel breiter ist. Ja, wir können über nachhaltige Materialien und Verfahren sprechen, die unseren Kunden zugutekommen, aber es geht auch darum, wo wir leben und arbeiten. 


Zum Beispiel haben wir den Ausbau in unserem europäischen Hauptsitz verschoben, damit hier weiterhin Mehlschwalben nisten können. Sie stehen auf der gelben Liste der gefährdeten Arten, daher haben wir eine Pause eingelegt, damit sie ihre Jungen noch bevor sie nach Afrika zurückfliegen, wo sie den Winter verbringen, zur Welt bringen können. Vor kurzem haben wir auch einen Biokorridor und Ruheplätze in den örtlichen Parks eingerichtet. Und darüber hinaus haben wir in eine moderne Anlage investiert, die gewährleistet, dass unsere Emissionen nur 8 – 10 % der von unseren lokalen Behörden festgelegten Grenzwerte erreichen. Diese Anlage verwendet die neueste Technologie, um Gerüche aus unserer Lackierlinie zu reduzieren.


Mein Managementteam und ich bekennen uns absolut zum Prinzip der dreifachen Verantwortung gegenüber Menschen, dem Planeten und dem Profit – genau in dieser Reihenfolge!


Was sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen für Lieferanten?


Der Druck, die Preise niedrig zu halten, wird niemals verschwinden! Unsere Kunden sind bereit, Nachhaltigkeit zu akzeptieren, wir müssen aber auch ihre Geschäftsziele verstehen.

Wirklich nachhaltige Entwürfe sparen Geld. Dies beruht auf Reduzierung des Material-, Verfahrens-, Abfall- und Energievolumens, erfordert jedoch auch zeitliche Investitionen in Ideen und Innovationen, um aus wenig mehr zu machen. Der einzige Weg, dies zu erreichen, besteht darin, kreativer zu sein und klüger zu denken.


Unsere Lieferkette muss auch klar und transparent sein. Die Stakeholder unserer Kunden fordern zu Recht Informationen zur Nutzung der ethischen Ressourcen und zur Transportentfernungen an – die Rückverfolgbarkeit spielt hier eine entscheidende Rolle.

Zu unserem Glück erfolgt der grundlegende Teil unserer Produktion in Kontinentaleuropa und Großbritannien. Wenn Sie bedenken, dass jeder Sechs-Meter-Container, der von China zu einem europäischen Hafen transportiert wird, einen CO2-Fußabdruck von fast 3 Tonnen hinterlässt, haben wir für die Einzelhändler einen weiteren Grund, um „vor Ort zu kaufen“!

Dass jeder Sechs-Meter-Container, der von China zu einem europäischen Hafen transportiert wird, einen CO2-Fußabdruck von fast 3 Tonnen hinterlässt,

Was sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen für Einzelhändler und Marken?


Sie müssen auf einer dünnen Linie balancieren – einerseits müssen sie die ethischen Anforderungen der Käufer erfüllen, andererseits einen bestimmten Wert bieten. Es fällt ihnen nicht leicht, immer im gleichen Tempo zu reagieren, je nachdem, wie sich die Wahrnehmungen der Kunden ändern. Das Bedürfnis, schnell zu handeln und den Ereignissen immer einen Schritt voraus zu sein, wird nur noch zunehmen. Wir sehen es bei den Anforderungen bei Geschäften und Installationen, die sich biegen und drehen können. Die Situation im Zusammenhang mit der COVID-19-Epidemie hat dies natürlich noch beschleunigt, da sie harte betriebliche Veränderungen mit sich brachte, das Tempo der Anpassungsfähigkeit nimmt jedoch weiter zu.


Eine weitere Herausforderung besteht darin, sich betreffend die Materialien und Verfahren einen klaren Durchblick zu verschaffen. Hier besteht eine breite Palette nachhaltiger Lösungen (wobei einige davon umstritten sind!). Um zu wissen, was zu wählen ist, muss man manchmal durch ein Minenfeld laufen. Wir stießen auf Materialien, die auf den ersten Blick als die perfekte "grüne" Alternative erschienen, mussten jedoch später feststellen, dass die Lieferzeiten für Einzelhandelsprogramme einfach zu lang sind oder dass diese Materialien nicht in ausreichenden Mengen für eine Massenproduktion gekauft werden können. 


Damit ein Material eine echte Alternative darstellt, reicht es nicht aus, dass es den Nachhaltigkeitstest besteht, es muss auch bei dem Kauftest erfolgreich abschneiden.

Was würden Sie als Best Practice empfehlen?


Betrachten Sie immer das ganze Bild. Wenn Sie sich nur auf die Installation selbst konzentrieren, werden Ihnen alle Dinge rings um, z. B. Verpackung, Transport oder die Zusammenhänge in Bezug auf den Betrieb oder das Ende der Lebensdauer, entgehen. Dies sind alles potenzielle Bereiche, in denen Energie, Zeit und Kosten reduziert werden können. Und „Reduzierung“ steht immer ganz oben auf der Nachhaltigkeitspyramide.


Nachhaltigkeitspyramide


Können Sie uns mehr über die Dienstleistungen erzählen, die Eden im Bereich Renovierung und Wiederverwendung anbietet?


Stahl ist ein großartiges Material für das Recycling, bei Langzeitinstallationen in Geschäften ist es jedoch sinnvoller, ihre Lebensdauer nach Möglichkeit zu verlängern (und natürlich steht „Wiederverwendung“ nach der Nachhaltigkeitspyramide an zweiter Stelle!).


Es handelt sich um einen sehr einfachen Prozess. Beim Entfernen von Installationen trennen wir diejenigen, die wirtschaftlich erneuert werden können, und geben sie an unsere spezialisierte Sanierungsanlage zurück. Nach der Sanierung gelangen sie ins Lager und werden dann zu einem um bis zu 30 % reduzierten Preis wieder in Verkehr gebracht.

Es begann mit einem unserer Kunden, nun verzeichnen wir aber eine wachsende Nachfrage von anderen, die ihre Ziele in den Bereichen Nachhaltigkeit und Kosteneinsparungen unterstützen möchten. 


Aufarbeiten & Wiederverwendung


Welche wesentlichen Änderungen erwarten uns Ihrer Meinung nach in den kommenden Jahren?

In Bezug auf Lösungen denke ich, dass Installationen zunehmend mehr als eine Funktion erfüllen und sich leicht an Änderungen anpassen lassen sollen – intelligente Lösungen, die zukünftigen Entwicklungen standhalten und länger halten.

 

Wir sollten neue Modelle von Lieferungen und Eigentum erwarten, die durch den Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft angetrieben werden. Schauen Sie sich Ikea an – hier versucht man, Büromöbel und Küchen zu vermieten und Wohnmöbel zu Erneuerungszwecken zu kaufen. Es ist nicht unvorstellbar, dass diese Ideen für Einzelhandelsinstallationen übernommen werden könnten.


Meiner Meinung nach werden die Erwartungen der Käufer in dem Sinne steigen, dass Einzelhändler und Marken ihr nachhaltiges Verhalten unter Beweis stellen müssen. Dies könnte Teil des Ladenerlebnisses sein, bei dem man eine Verlagerung hin zu den Einzelhandelsinstallationen und ausgestellten Produkten beobachten wird, die es auf authentische Art und Weise den Kunden mitteilen werden, wodurch die Transparenz steigen und Loyalität gewonnen wird. 

Was auch immer in den Läden passiert, ich bleibe positiv. Der Übergang zu einer nachhaltigeren Welt kann nur gut sein. Die letzten Monate haben uns alle daran erinnert, wie schnell etwas Unerwartetes am Horizont erscheinen kann. Aber mit der richtigen Einstellung und entsprechendem Willen können wir uns immer allem stellen, was uns die Zukunft bringen wird, und die Veränderungen akzeptieren, die sich uns in den Weg stellen werden.

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